Herr Lottis, Sie sind Geschäftsführer des Betriebsarztzentrums Osnabrück. Auf Ihrer Website schreiben Sie, das BAZ sei „eine Initiative von der Wirtschaft für die Wirtschaft.“ Seit wann gibt es das BAZ und wie kam es zu dieser Initiative?

Alexander LottisLottis: Das BAZ gibt es seit fast 45 Jahren. Einige der großen Osnabrücker Unternehmen wie Karmann, Hellmann, Kromschröder, Druckhaus Fromm und andere haben damals einen Verein gegründet, weil der Wunsch bestand, dass nicht jeder seinen eigenen Betriebsarzt einstellen musste, sondern diese Leistungen gebündelt durch den Verein bereitgestellt werden sollten, was in der Folge auch so geschah.

Wenn Sie an die Anfänge Ihrer beruflichen Laufbahn denken: Welche Erfahrungen haben Sie als Angestellter mit der betriebsärztlichen Versorgung gemacht?

Lottis: Interessante Frage! Sie werden lachen, ich weiß nicht mehr, ob ich bei Beginn meiner Ausbildung in Köln betriebsärztlich untersucht wurde. Anfang der 90iger Jahre, als ich bei einer Bank anfing zu arbeiten, da wurde ich untersucht. Auch bei meinen weiteren beruflichen Stationen war das dann Routine.

Welches sind die am häufigsten nachgefragten Leistungen und in welchen Bereichen sehen Sie Nachholbedarf bei Unternehmen?

Lottis: Neben der klassischen betriebsärztlichen Tätigkeit nach dem Arbeitssicherheitsgesetz u.a. Einstellungsuntersuchungen, Impfungen z. B. gegen Grippe oder Hepatitis, aber auch reisemedizinische Beratungen und Impfungen vor Arbeitsaufenthalten im Ausland. Oftmals werden betriebsärztliche Beratungen und Einschätzungen bei arbeitsbezogenen Gesundheitsproblemen oder im Sinne der medizinisch-beruflichen Rehabilitation nachgefragt, das hat sehr hohen Stellenwert.

Was wir vermehrt feststellen, ist, dass unser Angebot nach psychologischer Unterstützung und Beratung von Beschäftigten in den Unternehmen, die wir betreuen, abgerufen wird. Denn ein Drittel der Deutschen leidet laut einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Institutes unter psychischen Problemen. Psychische Erkrankungen sorgen für knapp ein Fünftel der Arbeitsunfähigkeitstage und sind somit die zweitwichtigste Erkrankungsart nach Muskel-Skelett-Erkrankungen. Die externe Mitarbeiterberatung, die wir anbieten, hat sich hier als wichtige Komponente im Bereich der Primär- und Sekundärprävention etabliert. Wir möchten Belastungen kurzfristig und zielgerichtet minimieren und weiteren Folgen wie langfristigen Fehlzeiten und reduzierter Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden entgegenwirken. So gewinnen die Unternehmen und die Arbeitnehmer gleichermaßen.

Einen gewissen Nachholbedarf sehen wir in dem künftig noch bedeutsamer werdenden betrieblichen Gesundheitsmanagements, das wir kompetent unterstützen können.

Was unterscheidet eine Zusammenarbeit mit dem BAZ von der mit anderen Betriebsärzten?

Lottis: Ich denke, sagen zu können, dass wir uns in Osnabrück und im Osnabrücker Land und im Umland als Marktführer mit einer sehr hohen Qualität an betriebsärztlichen Leistungen etabliert haben, darauf sind wir stolz. Kundenzufriedenheit durch Qualität, Termintreue und zeitnahes Engagement zeichnen uns neben dem persönlichen, vertrauensvollen Gespräch mit jedem unserer Probanden aus. Hinzu kommt die örtliche Nähe, ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Auf Ihrer Website finden sich auch Stimmen zufriedener Kunden, darunter große und bekannte Arbeitgeber. Wo sehen Sie persönlich denn die Stärken Ihres Teams, bzw. was schätzen Kunden besonders an der Zusammenarbeit mit Ihnen?

Lottis: Wir sind da, wo und wann man uns braucht. Ob vor Ort oder in unserem Zentrum in der Augustenburger Strasse oder in unserem Standort in Rheine. Wir sind im Gegensatz zu Mitbewerbern im Markt in der Lage, auch kurzfristige Termine anzubieten und wahrzunehmen. Wir beschäftigten 10 Ärzte, noch mal so viele MFA, die alle erfahrene Kolleginnen und Kollegen sind. Und es freut mich sehr, dass unsere Kunden diese Kompetenz schätzen und uns ihr Vertrauen schenken.

Jeder Arbeitgeber muss – gemäß Arbeitssicherheitsgesetz – Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit beauftragen. Aber abgesehen von der Erfüllung rechtlicher Pflichten: Wie profitiere ich als Arbeitgeber von der Zusammenarbeit mit Ihnen?

Lottis: Ganz einfach. Wir untersuchen und motivieren die Probanden und verhindern, dass sie überhaupt erkranken. Die betriebsärztliche Tätigkeit ist gekennzeichnet von dem Anspruch, dass wir – bevor der Mensch krank wird – präventiv alles dafür tun, dass das nicht passiert. Unser Ziel ist die Gesunderhaltung der Menschen und das gelingt durch gezielte Anregungen und Hilfen im Rahmen der betriebsärztlichen Untersuchungen. Wir erreichen im Betrieb gerade diejenigen Arbeitnehmer, die trotz gesundheitlicher Probleme ärztliche Hilfe eher ungern in Anspruch nehmen! Vertrauensbildung und Motivierung sind hier die Stichworte.

Sie sagten soeben, Ihr Ziel sei die Gesunderhaltung der Menschen. Was heißt das konkret? Verzeichne ich am Ende des Jahres weniger Fehltage meiner Angestellten oder schaffen diese mehr als zuvor? Lassen sich solche Effekte, auch durch die Maßnahmen betrieblichen Gesundheitsmanagements, mit greifbaren Zahlen belegen?

Lottis: Langfristig sind durchaus ökonomische Vorteile zu erwarten, und dazu gibt es Kosten-Nutzen-Analysen in wissenschaftlichen Studien. Hervorzuheben sind in diesem Kontext sicher die Evaluation der Arbeitsorganisation, Schutzmaßnahmen und Betriebsrisiken sowie präventive Maßnahmen, die Arbeitnehmer häufig ohne betriebsärztliches Angebot eher nicht wahrnehmen würden. Aber auch im Hinblick auf den demografischen Wandel gewinnt der Erhalt der Arbeitsfähigkeit immer größere Bedeutung. Mit gezielter Unterstützung und Gesundheitsförderung können Mitarbeiter dem Betrieb länger erhalten bleiben bzw. weisen weniger Fehltage auf. Das merkt man dann tatsächlich – und unabhängig vom Alter der Mitarbeiter – ganz konkret an weniger Fehltagen, niedrigeren Fehlerquoten und insofern dann natürlich besserer Leistung und geringeren Folgekosten.

Nun gibt es jede Menge unterschiedliche Angebote. Von Vorsorgemaßnahmen, über die Beratung zur Ausstattung von Arbeitsplätzen bis hin zur Nikotinentwöhnung – werde ich als Arbeitgeber von Ihnen auch hinsichtlich der Priorisierung von Maßnahmen beraten?

Lottis: Natürlich können wir das leisten, zum Beispiel durch die Abstimmung in Gesundheitszirkeln oder Arbeitsschutzkonferenzen. Wir bekommen ja einen guten Einblick in die Arbeitsbedingungen und lernen auch die Menschen im Betrieb persönlich kennen. Neben den branchenspezifischen Vorgaben, beispielsweise aus gesetzlichen Richtlinien, ergeben sich immer auch betriebsspezifische Risiken und Gefährdungen, zu denen wir die Betriebsleitung beraten können. Das können Präventionsmaßnahmen sein, aber zum Beispiel auch ganz konkret die Arbeitsplatzausstattung oder Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung eines Mitarbeiters. Wir werten auch Fehlzeiten und Krankheitstage aus und beurteilen die berufliche Belastbarkeit und Arbeitsfähigkeit. Und wenn ein Betrieb an uns herantritt, und – sagen wir mal – eine Impfkampagne oder Rückenschule wünscht, dann können wir den Nutzen im Kontext bewerten und vor allem dann auch in der Durchführung unterstützen.

Bei Ihnen zu arbeiten hat für Ärzte ganz offensichtliche Vorteile: kein Nachtdienst, geregelte Arbeitszeiten. Welche weiteren Vorteile können Sie nennen?

Lottis: Gute Bezahlung! (lacht) Aber im Ernst. Die Arbeit als Betriebsarzt ist sehr erfüllend. Sie haben mit verschiedensten Menschen in verschiedensten Arbeitsumfeldern und Branchen zu tun, die Arbeit ist abwechslungsreich. Dass man nicht Nachtschichten oder auch Wochenenddienste ableisten muss, ist gerade für Eltern ein großer Vorteil, um der Familie breiteren Raum einräumen zu können. Letztlich ist die planbare und vorhersehbare Arbeitszeit aber für viele Ärzte ein echter Gewinn an Lebensqualität, zum Beispiel weil man wieder regelmäßig einem Hobby nachgehen kann oder planbar am Wochenende verreisen könnte. Dass die Bezahlung im Blick darauf gut ist, spielt sicher auch eine Rolle!

Welche Herausforderungen erwarten mich, wenn ich als Arzt bei Ihnen tätig werde?

Lottis: Sie müssen sich in recht kurzer Zeit in die Belange eines Unternehmens in den verschiedensten Branchen und Themenfeldern einarbeiten und die Besonderheiten verstehen. Wir bedienen jede Branche, die der Branchenindex vorsieht. Vom Medienhaus zu Stadtverwaltungen, vom Landmaschinenbauer zum Gewürzmittelhersteller, vom Logistiker über Konsumgüterhersteller bis hin zu Arztpraxen und Kliniken.

Sie sehen, die Liste ist sehr lang. Jedes dieser Unternehmen und also auch jeder der dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat also besondere Spezifika und die müssen die Ärzte kennen und damit umgehen können. Unsere Betriebsärzte sehen mitunter eben auch gesundheitlich weniger stabile Mitarbeiter, die auf hausärztliche Untersuchen und Vorsorgeuntersuchungen weniger Wert legen als andere. Diesen Personen kann durch Verhältnis- und Verhaltensprävention durchaus zu mehr Lebensqualität in Beruf und Freizeit verholfen werden. Außerdem spielen unsere Ärzte eine Schlüsselrolle im betrieblichen Gesundheitsmanagement, welches immer wichtiger wird. Das ist spannend, fordernd und abwechslungsreich, ja ich würde sagen: eine erfüllende Arbeit.

Vom Arbeitsschutzgesetz über die arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung bis zum Präventionsgesetz: Als Arbeitgeber kann ich das alles doch kaum im Blick behalten. Sind Ihre Ärzte hier meine Ansprechpartner?

Lottis: Selbstverständlich sind sie hier sehr kompetente Berater neben weiteren Ansprechpartnern, z. B. Sicherheitsfachkräften. Durch regelmäßige interne und externe Fortbildungen bleiben unsere Ärzte auch bei den häufigen Veränderungen im rechtlichen Umfeld auf dem Laufenden. Die Ärztekammer Niedersachsen hat uns im Übrigen als Weiterbildungsstätte mit voller Ermächtigungszeit anerkannt.

Viele Arbeitnehmer haben Sorge, sich einem Betriebsarzt anzuvertrauen. Immerhin steht dieser im Auftrag des Arbeitgebers. Online finden sich diverse Checklisten und Artikel dazu, was Arbeitnehmer dem Betriebsarzt verschweigen dürfen. Wie beurteilen Sie das Thema Vertrauen und wie können Arbeitgeber sinnvoll damit umgehen?

Lottis: Vertrauen ist unser Credo. Sie haben recht. Der Proband muss 100 % sicher sein, dass die Untersuchung und das Ergebnis vertraulich ist und bleibt. Das garantieren wir und unterliegen ja genauso wie der Hausarzt der ärztlichen Schweigepflicht. Was aber nicht heißt, dass der Proband nicht dennoch immer die Möglichkeit hat, sich in Absprache mit seinem Betriebsarzt vertrauensvoll an den Arbeitgeber zu wenden. Der Betriebsarzt kann ihn dann beispielsweise bei der stufenweisen Wiedereingliederung oder beim betrieblichen Gesundheitsmanagement begleiten.

Stichwort Datenschutz: Informationen zur persönlichen Gesundheit gehören zu Recht zu den sensiblen Informationen, die spätestens seit der DSGVO besonders geschützt werden müssen. Gleichzeitig möchte ich als Arbeitgeber insbesondere freiwillige Zusatzleistungen, z.B. ein Seminar zum Thema Ernährung, natürlich vor allem dann anbieten, wenn ich weiß, dass sie für meine Mitarbeiter relevant sind. Wie gehen Sie damit um?

Lottis: Das muss nicht im Widerspruch zum Datenschutz stehen und kann kompatibel gestaltet werden, wobei unsere Betriebsärzte die Unternehmen beraten und unterstützen. Manchmal ist es ja auch so, dass Themen sich schon von selbst ergeben und eher offensichtlich sind, zum Beispiel große Gruppen von Rauchern in der Mittagspause oder auch Arbeitsplätze, die den Rücken stark belasten und sich deshalb eine Rückenschule recht klar anbietet. Ein Betriebsarzt hat hier ja auch noch mal einen anderen Blick und kennt typische Risiken. Und manchmal gibt es auch Angestellte, die Wünsche äußern und Vorgesetzte, die Ihre Mitarbeiter auch persönlich gut kennen. Wir nehmen solche Vorschläge auf und betraten Betriebe dahingehend.

Nicht selten werben auch Arbeitgeber mit Gesundheitsmanagement im Unternehmen. Massagen, Betriebssport oder auch einfach ein bunter Obstteller sind für viele Arbeitnehmer schon selbstverständlich. Ist betriebliches Gesundheitsmanagement für die Mitarbeitergewinnung und -haltung wichtiger geworden? Was glauben Sie, welche Maßnahmen hier zukünftig noch relevanter werden, worauf muss ich als Arbeitgeber mich einstellen?

Lottis: Mitarbeiter arbeiten nicht mehr nur für Gehalt. Gehalt bekommen sie auf dem Arbeitsmarkt, wo Personal so knapp ist, wie im Moment, hier wie da. Sie wünschen sich einen erfüllenden Beruf, Raum, Dinge zu gestalten und verantworten zu können, das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, die Einräumung von Freiraum sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die „Work-Life-Balance“ spielt besonders bei jüngeren Mitarbeitern eine immer größere Rolle und gehört für viele zu einem gesunden Arbeiten dazu. Unternehmen haben das verstanden und unterbreiten vielfältige Angebote – Sie haben einige genannt – um die bei ihnen tätigen Beschäftigten an das Unternehmen zu binden und den Spaß an der Arbeit zu fördern. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist in meinen Augen einer der ganz entscheidenden Faktoren – parallel dazu im Vorfeld einer Erkrankung betriebsärztliche Beratungen und Untersuchungen anzubieten ist sinnvoll, kombiniert mit einem Angebot gezielter psychologischer Hilfe für seelisch besonders belastete Menschen im Unternehmen. Das, finde ich, ist ein rundes Paket, vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels.

Stichwort Fachkräftemangel: Können Betriebsärzte auch den zunehmenden Mangel von Hausärzten ausgleichen? Also nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für Arbeitnehmer von klarem Vorteil sein?

Lottis: Hier müssen wir unterscheiden. Kurative Medizin, die auf der Heilung einer Erkrankung ausgerichtet ist, ist Aufgabe bspw. eines Hausarztes. Betriebsärztliche Medizin ist ausgerichtet darauf, dass Erkrankungen am Arbeitsplatz gar nicht erst entstehen. Was ich mir aber gut vorstellen kann, ist, dass zukünftig betriebsärztliche und zum Beispiel hausärztliche Medizin sehr viel enger verzahnt sind, als bislang. Das wäre schön und sinnvoll für die Menschen.

Vielen Dank für das Gespräch.